Donnerstag, 9. April 2026

Keine Bewerbung

 Tach auch, ich habe mich schon lange nirgendwo mehr beworben. Wie denn das? Früher hatte ich mein Soll an Bewerbungen vorzuweisen. Doch das muß ich nicht mehr und zudem ist der Laden Arbeitsamt mich endlich los. Ich bin in Rente. Na ja so etwa. Jedenfalls versorgt. Und was will ich von ihnen? Nichts weiter. Mein ja nur. Was hab ich früher genervt! Ok, nicht nur ich. Mit Bewerbungen, denen man schon vor dem Öffnen ansah, der macht das nur, weil der Sacharsch es so verlangt. Interesse hat der keine, denn so blöd ist er nicht. Sieht ja, daß wir keine Jobs haben, sondern nur vermitteln. Ja klar, was willst machen, wenn es nur noch so läuft, wenn Firmen nicht mehr direkt nach Mitarbeiter suchen. Man muß ja seine Bewerbungen vorweisen können. Auch wenn sowohl das Arbeitsamt wie auch sie wissen, das ist für n ….. sie wissen schon. 
Ja das hab ich hinter mir. War zwar keine große Sache, man bekommt ja Übung und am Rechner ist das schnell erledigt. Doch irgendwo weißt ja, es dient der Aufrechterhaltung der Illusion. Du tust als würdest Arbeit suchen, ihr tut so, als gäbe es welche (für Leute jenseits der 50). Wenn es schon keine Arbeit gibt (bzw. zu indiskutablen Bedingungen) dann zeig wenigstens Einsatz. Das hab ich hinter mir und warum soll mir den Tag versauen? Na eben. 
Und bei ihnen gibt es sicher keine Arbeit, die man so nennen kann, oder wie seh ich das? Na gut, sollen sich jetzt andere mit rumärgern. Ich bin raus. Keine schwachsinnigen Bewerbungen mehr, keine bekloppten Maßnahmen mehr, die beweisen, wir sind ein reiches Land, wenn für so’n Unfug Geld da ist. Ja da hab ich mir mal in so einer Maßnahme was anhören dürfen. Vernetzung hieß der Titel. Recht vielversprechend, könnte man meinen. Doch dann ging es nur darum, wieviel Freunde man hat, wen man alles kennt und wer einen helfen könnte. Beziehungen halt. Und wozu? Na um nen lausigen Job zu finden, wofür man früher keine Vernetzung brauchte, sondern die Anzeigen der Zeitung. Also im Klartext, der Staat zieht sich aus dem Geschäft zurück, wir machen es künftig so wie im Iran, wo der Staat im Sozialbereich inexistent ist. Deine Familie ist dein Arbeits und Sozialamt. Wie im Mittelalter. Ging doch auch und Rente, so alt wurd eh keiner der wirklich arbeiten mußte. Gab ja keine Maschinen und war eben alles etwas mühsamer als heute. Na da sind wir heute weiter. Immerhin. Ja da hätte ich der Tante was erzählen können. Etwa, was diese ekelhafte neoliberale Propaganda soll. Ja hätte ich. Aber ne, man lässt es über sich ergehen und will zeitig wieder raus. Ob die selbst an den Mist glaubt, den sie erzählt? Was geht's mich an.
Aber was soll ich mich aufregen? Will nicht meckern. Zumal wir doch so nen schönen Sommer haben.
Und immerhin, man kann es auch so sehen. Hartz 4 ist Scheiße, ohne Frage. Aber wenigstens kann man sich drüber aufregen. Es gibt Länder, da regt sich keiner über Hartz IV auf. Es gibt gar keins. Und auch das Zeuch is nicht umsonst. Dafür mußt die Bürokratie füttern und bezahlst mit sinnlosen Tätigkeiten. Man kann also keineswegs sagen, ich hätte nicht für Hartz 4 gearbeitet. 
Aber warum schreib ich ihnen das? Interessiert sie das? Mir doch egal. Das Radio fragt mich auch nicht, ob ich genau diese Musik hören will und wenn s mir nicht passt, kann ich ja abschalten. Oder stör ich sie beim Profitschaufeln? Wenn ja, gern geschehen.
Aber gut, wozu das hier, werden sie sich fragen. Hat der Langeweile? Sonst nichts zu tun? Keinesfalls. Ist ja nicht so, daß man als Rentner nur faul rumliegt. Oder wenn, wer wollt’s dir verbieten?
Aber sie haben auch keinen Bullshit Job zu bieten? Was das ist? Kennen sie nicht? Sollten sie aber. Es gibt Shitjobs und Bullshitjobs.  Shitjobs sind einfach schlecht bezahlte Arbeiten. Aber wenigstens gegen sie den Leuten das Gefühl das ihre Arbeit noch n Sinn hat. Bullshitjobs können sogar gut bezahlt sein, bestehen aber oft aus Arbeiten, die niemand braucht. Hat mit der zunehmenden Bürokratie der Arbeitswelt zu tun. Mittlerweile produziert nur noch die Hälfte der Leut im Betrieb, der Rest ist mit Verwaltung beschäftigt und das ist noch untertrieben. Es sind jedenfalls Jobs, die den Beschäftigten nicht das Gefühl geben, sie würden etwas Sinnvolles tun. Umso belastender sind sie oft. Weil es oft nur drum geht Zahlen zu präsentieren, die längst zum Selbstzweck geworden sind und wenig mit der Realität zu tun haben. Kommt ihnen vertraut vor? Kennt man aus der DDR und wie es scheint, hat die im Kapitalismus überlebt. Ironisch nicht? Ja, stand mal in der Konkret zu lesen. So etwa.
So etwas dürfte es den Sachärschen im Amt gehen. Sie wissen, was sie tun und daß ihre ‚Kunden‘ keinen Bock auf Dreckjobs haben. Und sie wissen, daß sie nichtmal die zu bieten haben. Aber irgendwas müssen sie ja vorweisen. Tia, ein Trauerspiel. Bei den Vermittlern scheint es nicht viel besser zu laufen. Nun das werden sie besser wissen als ich. Steck ja nicht drin.
Doch man kann ja auch reich erben.
Dann mußt dich nicht bewerben.
Ähm ja, kleiner Anfall von Dichtkunst. 
Ja, auch ein alter weißer Mann darf mal von der Muse geküsst werden. :-))) Doch ich bin sicher, freiwillig schreibt ihnen sonst niemand. Da dacht ich, ich darf das, denn Bewerbung und son Kack muß ich nicht mehr ernst nehmen. Als ob die mich je ernst genommen hätten. Soll heißen, wenn der das ernst meint, dann ist der bekloppt oder verzweifelt. Oder beides. Und der Arbeitgeber! Sollte sich die Frage stellen, suche ich Mitarbeiter oder Problemfälle. Nun, das soll nicht mein Problem sein.